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Mittwoch, 25. Dezember 2013

Was Training so ausmacht


Bin dank Clemens Neudecker auf das im Rahmen des succeed Projektes entwickelte Tool ocrevalUAtion gestoßen. Damit kann man seine OCR-Ergebnisse mit dem Original vergleichen und bekommt eine Übersicht über die typischen OCR-Fehler.

Ich habe mal eine Seite aus Bunte Bilder aus dem Sachſenlande genommen und hier sind die Werte für untrainiertes Tesseract 3.02.03 mit dem mitgelieferten "deu-frak":


CER7,74
CER-DL7,74
WER27,65
WER (bag of words)27,43
 
Dabei bedeutet CER: Character error rate, CER-DL: Character error rate nach Damerau-Levenshtein und WER: Word error rate.

Hier sind also nur knapp 92% aller Zeichen richtig und gar nur 72% aller Wörter.

Nun die im Laufe des Bunte Bilder Projektes auf den Buchtitel trainierte Variante:

CER2,83
CER-DL2,83
WER7,78
WER (bag of words)9,07

Es sind nun 97% aller Zeichen richtig und fast 91% aller Wörter! Fazit: Trainieren lohnt sich!

Dies deckt sich auch mit den Berechnung aus meinem früheren Beitrag "OCR Qualität bestimmen" bzw. aus Teil 9, wo die Worterkennungsrate 93% betrug.

Das Tool berechnet aber auch für jedes vorkommende Zeichen die Fehlerwahrscheinlichkeit, was hilft sein Augenmerk auf diese typischen Probleme zu lenken. Hier ein Beispiel des untrainierten Tesseract. Ins Auge fällt, daß dies (wie bereits beschrieben) kein langes-s erkennt. Sichtbar sind auch die Problemzeichen 'n', 'u' und 'ü':

Error rate per character and type

CharacterHex codeTotalSpuriousConfusedLostError rate
204632010,65
!210100Infinity
"220100Infinity
)2920000,00
*2a201050,00
,2c3314221,21
-2d602033,33
.2e2901313,79
131610016,67
23240000,00
53540000,00
83830000,00
93950000,00
A4160000,00
B42110109,09
D44100000,00
E4560000,00
F4690000,00
G4760000,00
H4860000,00
I494040100,00
J4a50000,00
K4b80000,00
L4c10000,00
M4d50000,00
N4e40000,00
O4f20000,00
P5030000,00
R5270000,00
S532603011,54
T5450000,00
U5540000,00
V5670000,00
W5770000,00
Z5a70000,00
a611230201,63
b62410102,44
c63660101,52
d641100000,00
e654300411,16
f664005012,50
g67710000,00
h681210403,31
i69178230012,92
j6a3400133,33
k6b210104,76
l6c912002,20
m6d64019029,69
n6e2497705,62
o6f480000,00
p70110000,00
r721480000,00
s73372005,41
t741330100,75
u75105011111,43
v76180000,00
w77310000,00
x7810000,00
y7910000,00
z7a380000,00
«ab0100Infinity
»bb0100Infinity
Äc4201050,00
ßdf70000,00
äe4130000,00
öf6110000,00
üfc2109042,86
ſ17f900900100,00
–20132020100,00
—20140100Infinity
“201c3030100,00
„201e3030100,00

Mittwoch, 5. Juni 2013

Teil 9, Selbstversuch Ebook - Befreiung am Beispiel "Bunte Bilder aus dem Sachsenlande", Verbesserung Tesseracts Erkennungsrate

Im letzten Blogpost "OCR Qualität bestimmen" habe ich grob beschrieben, wie man beurteilen kann, wie gut die Erkennungsqualität der verschiedenen OCR-Engines ist.
Als Maß hatte ich dort die Worterkennungsrate verwendet, da diese im Vergleich zur Zeichenerkennungsrate genauer ist. Gerade bei Verfahren, die intern Wörterbücher verwenden, kann die Zeichenerkennungsrate hoch sein, der Text bleibt dennoch unleserlich.

Um die Erkennungsqualität von Tesseract 3.02 zu verbessern habe ich mir die Beschreibung der Konfigurationsoptionen unter http://www.sk-spell.sk.cx/tesseract-ocr-parameters-in-302-version angeschaut.

Folgende Werte hatte ich bisher in der Datei deu-frak.config stehen:

enable_new_segsearch 1
textord_space_size_is_variable 1
load_bigram_dawg 1

Die Worterkennungsrate betrug damit 86% (die Diskrepanz zum Wert 60% aus Blogpost rührt daher, daß die Wörter der benutzten Seite da noch nicht im fürs Training verwendeten Wörterbuch steckten. Dies zeigt, wie wichtig die Pflege eines korrekten Wörterbuches für die Erkennungsrate von Tesseract ist).

Im ersten Schritt habe ich nur einzelne der ff. Parameter (* zeigt Default an) verändert:

Parameter01
enable_new_search92%(*) 86%
language_model_ngram(*) 86%36%
textord_old_baselines89%(*) 86%

Die Werte textord_space_size_is_variable, load_bigram_dawg, edges_use_new_outline_complexity, permute_script_word, ngram_permuter_activated, use_new_state_cost führten zu keiner Änderung der Erkennungsrate von 86%.

Warum die Erkennungsrate bei  language_model_ngram so stark einbricht, verstehe ich noch nicht.

Im zweiten Schritt habe ich die beiden Parameter, die eine Verbesserung zeigten, kombiniert. Voila!, die Worterkennungsrate steigt auf 93%!

Wer noch Hinweise für sinnvolle Kombinationsmöglichkeiten anderer Parameter hat, immer her damit! :)